Bitcoin-Guide · Eigenverwahrung

Bitcoin in Eigenverwahrung

Warum Eigenverwahrung der Kern von Bitcoin ist, wie sie technisch funktioniert und wie du deine Wallet Schritt für Schritt richtig einrichtest und sicherst.

Warum du deine Bitcoin selbst halten solltest

Die meisten Neueinsteiger sehen in Bitcoin zunächst einmal ein renditestarkes Asset und ein vermeintlich attraktives Investment. Dabei übersehen sie aber die vielleicht wichtigste Eigenschaft: Bitcoin ist das einzige Asset, das uneingeschränkten Besitz ermöglicht. Du kannst es vollkommen unabhängig von Drittparteien halten und niemand kann es dir wegnehmen oder deinen Besitz durch Inflation verwässern. Das ist ein zentrales Konzept von Bitcoin, dessen Wichtigkeit gern unterschätzt wird.

In der Bitcoin-Welt gibt es einen Satz, den du immer wieder hörst: Not your keys, not your coins. Übersetzt: Wenn du nicht die Schlüssel zu deinen Bitcoin besitzt, besitzt du die Bitcoin nicht wirklich.

Das klingt erst abstrakt, hat aber sehr konkrete Folgen. Wenn deine Bitcoin auf einer Börse oder bei einem Broker liegen, gehören sie technisch dem Unternehmen, das hinter der Plattform steht. Du hast nur einen Eintrag in deren Datenbank und einen Anspruch, sie ausgezahlt zu bekommen. Solange alles gut läuft, funktioniert das auch. Kritisch wird es aber, wenn etwas schiefgeht.

Die wichtigsten Risiken, wenn jemand anderes deine Bitcoin für dich hält:

Bei Bitcoin in Eigenverwahrung fällt all das weg. Niemand kann deine Bitcoin einfrieren, verleihen oder verlieren. Es gibt keine Gegenpartei, der du vertrauen musst. Genau das ist mit Souveränität gemeint: Du bist nicht mehr darauf angewiesen, dass sich ein Unternehmen korrekt verhält. Die Verantwortung liegt allein bei dir.

Diese Verantwortung hat jedoch ihren Preis: Niemand kann dir helfen, wenn mal etwas schiefgeht. Es gibt keine Hotline, die du bei einem Problem anrufen kannst. Ein Fehler in deinem Setup kann dazu führen, dass deine Bitcoin für immer verloren sind. Aber keine Sorge: Wenn du die wesentlichen Konzepte verstehst und richtig anwendest, kannst du dir sicher sein, dass deine Bitcoin optimal aufgehoben sind.

Wie Eigenverwahrung funktioniert

Um zu verstehen, wie die Eigenverwahrung funktioniert, müssen wir zunächst ein paar Grundkonzepte erläutern.

Zuallererst ist wichtig zu verstehen, dass deine Bitcoin niemals in einem Wallet oder auf einer Festplatte liegen. Bitcoin existieren ausschließlich in der Blockchain. Du kannst dir die Blockchain wie ein Kassenbuch des Bitcoin-Netzwerkes vorstellen, in dem alle jemals getätigten Bitcoin-Transaktionen aufgelistet sind. Mit Hilfe dieses Kassenbuches kann jederzeit nachvollzogen werden, welche Adresse über welchen Bitcoin-Bestand verfügt.

Die Adressen auf der Bitcoin-Blockchain sind öffentlich. Deshalb ist das Bitcoin-Netzwerk auch nicht – wie häufig behauptet – anonym, sondern pseudonym. Stell dir ein Bitcoin-Konto wie einen gläsernen Briefkasten vor. Jeder kann sehen, was drin ist, und jeder kann etwas einwerfen. Der Public Key (genauer: die daraus abgeleitete öffentliche Adresse) funktioniert im Prinzip wie die Adresse des Briefkastens. Das ist die Adresse, die du jemandem gibst, damit er dir Bitcoin schickt. Sie ist öffentlich, daran ist nichts Geheimes.

Trotzdem kann natürlich nicht jeder beliebig auf die Adressen zugreifen. Um Bitcoin auf der Blockchain zu bewegen, benötigt man einen sogenannten privaten Schlüssel, der zu der öffentlichen Adresse (bzw. dem zugehörigen Public Key) passen muss. Der Private Key ist sozusagen der Schlüssel, der den Briefkasten aufschließt. Nur wer ihn hat, kann die Bitcoin bewegen. Deshalb dreht sich beim sicheren Verwahren alles darum, deine privaten Schlüssel zu schützen.

Die privaten Schlüssel sind sehr lange Zeichenfolgen, die unmöglich zu merken oder zu erraten sind. Zwar könnte man diese Zeichenfolgen auch einfach aufschreiben, was jedoch sehr unsicher und wenig komfortabel ist. Zur Verwahrung der privaten Schlüssel gibt es deshalb sogenannte Wallets. Wallets sind nichts anderes als Datenträger, auf denen diese Schlüssel gespeichert sind. Geht eine Wallet kaputt oder verloren, kannst du nach wie vor auf deine Bitcoin zugreifen, solange du ein Backup hast.

Es gibt verschiedene Arten von Wallets. Eine Software-Wallet auf dem PC oder Handy ist bequem, aber der Schlüssel liegt auf einem Gerät, das ständig online ist. Dieser Wallet-Typ wird daher auch hot Wallet genannt. Für kleine Beträge im tagtäglichen Zahlungsverkehr ist das in Ordnung, für deine Ersparnisse aber definitiv nicht zu empfehlen. Die sichere Variante ist eine Hardware-Wallet: ein kleines Gerät, das einem USB-Stick ähnelt und mit einem Computer oder Handy verbunden werden kann, um damit Bitcoin zu versenden oder zu empfangen. Deine Schlüssel verlassen dabei niemals das Gerät. Diese Variante der Verwahrung wird daher auch cold storage genannt. Selbst wenn dein Computer voller Schadsoftware ist, bleiben deine Bitcoin sicher, weil das Signieren einer Transaktion geschützt auf dem Gerät passiert.

Hardware-Wallets gibt es von diversen Herstellern in unterschiedlichsten Ausführungen. Es gibt jedoch ein paar Eigenschaften, auf die du beim Kauf achten solltest:

Sicherheitshinweis

Kaufe eine Hardware-Wallet immer direkt beim Hersteller, nie gebraucht und nie über Drittmarktplätze (Amazon-Reseller, eBay). Manipulierte Geräte sind ein reales Risiko. Über den Link unten landest du direkt beim Hersteller.

Meine Empfehlung: BitBox02

Die BitBox02 (Bitcoin-only Edition) von Shift Crypto aus der Schweiz ist meine Empfehlung für Einsteiger. Ich nutze sie selbst und zeige sie in meinen Workshops.

  • Open Source – der Code ist unabhängig geprüft, du musst nicht blind vertrauen.
  • Bitcoin-only – weniger Angriffsfläche und besonders einfache Bedienung.
  • Etablierter Hersteller aus der Schweiz mit deutschsprachigem Support.
Link zu Bitbox* Mit dem Code SOUVERAEN bekommst du 5 % Rabatt.

Deine Wallet einrichten und richtig sichern

Das erstmalige Einrichten einer neuen Wallet kann für einen Einsteiger kompliziert und einschüchternd wirken. Dabei ist das Ganze eigentlich kein Hexenwerk. Man sollte aber wissen, was man tut und wofür die jeweiligen Elemente gut sind. Diese Beschreibung basiert auf dem Einrichtungsprozess einer BitBox, funktioniert für die meisten gängigen Hardware-Wallets aber analog.

Verpackung und Lieferumfang

Du erhältst die Wallet in einem versiegelten und vom Hersteller markierten Plastikbeutel. Vergewissere dich zu Beginn, dass dieser unbeschädigt ist. Packe anschließend die Wallet aus und überprüfe, dass der Lieferumfang vollständig ist.

Installation und Inbetriebnahme

Im nächsten Schritt lädst du die Hersteller-Software auf deinen Computer oder dein Smartphone. Nutze dafür unbedingt die offizielle Seite des Herstellers. Optional kannst du die Installationsdatei anhand eines Hashwertes überprüfen, um sicherzugehen, dass du keine manipulierte Version erhalten hast. Nach der Installation startest du die Software und verbindest deine Wallet. Du wirst nun in mehreren Schritten durch die Einrichtung geleitet.

Geräte-Passwort (PIN)

Direkt zu Beginn vergibst du eine PIN für das Gerät. Sie schützt davor, dass jemand, der das Gerät physisch in die Hände bekommt, es einfach benutzen kann. Nach mehreren Fehlversuchen löscht sich das Gerät selbst. Kein Problem, denn wiederherstellen kannst du alles über die Seed-Phrase. Bei einer Wiederherstellung der Wallet mit den Seed-Wörtern wird die PIN nicht benötigt. Deshalb ist es auch nicht schlimm, wenn du deine PIN vergisst – solange du auf deine Seed-Wörter zugreifen kannst.

Seed-Phrase

Das ist das Herzstück. Beim Einrichten erzeugt das Gerät wahlweise 12 oder 24 zufällige Wörter, ausgewählt aus einer standardisierten Liste von 2048 Wörtern. Ich empfehle grundsätzlich 12 Seed-Wörter: Sie sind mit 128 Bit Entropie praktisch nicht zu erraten, also absolut ausreichend sicher, und deutlich einfacher zu handhaben als 24. Die Seed-Wörter (auch Seed-Phrase oder Recovery-Wörter genannt) sind die menschenlesbare Form deines Seeds. Aus ihm werden alle privaten Schlüssel und die zugehörigen Adressen abgeleitet.

Mit den Seed-Wörtern lässt sich deine komplette Wallet auf jedem kompatiblen Gerät wiederherstellen. Da sich die meisten Wallet-Hersteller auf gemeinsame offene Standards geeinigt haben, funktioniert das in der Regel sogar herstellerübergreifend. Das bedeutet aber auch: Wer an deine Seed-Wörter gelangt, kommt auch an deine Bitcoin. Und wenn du sie verlierst, verlierst du bei einem Defekt oder Verlust deiner Wallet den Zugang für immer. Der sicheren Aufbewahrung deiner Seed-Wörter kommt daher eine überragende Bedeutung zu.

Drei eiserne Regeln für die Seed-Phrase:

Stahl-Backup

Du kannst deine Seed-Wörter auf Papier aufschreiben. Aber Papier kann verbrennen, verblassen oder sich auflösen. Zwar gibt es spezielles, laminiertes Papier zur Sicherung von Seed-Wörtern, ich empfehle aber die Verwendung einer sogenannten Steel Wallet: kleine Metallplatten, in die du die Wörter eingravierst oder einschlägst. Sie überstehen Feuer, Wasser und Jahrzehnte. Dabei solltest du immer die vollständigen Seed-Wörter prägen, auch wenn die Wortliste so konzipiert ist, dass die ersten vier Buchstaben jedes Wortes ausreichen. So reduzierst du die Fehleranfälligkeit deines Setups.

Meine Empfehlung: SEEDOR Safe

Für das Stahl-Backup empfehle ich den SEEDOR Safe aus Deutschland – eine massive Edelstahl-Kapsel mit einzeln gravierbaren Scheiben.

  • Feuer-, wasser- und korrosionsbeständig – überdauert Jahrzehnte.
  • Eine Scheibe je Seed-Wort, inklusive Nummerierung – wenig fehleranfällig.
  • Robuste, kompakte Kapsel, die sich gut verstecken lässt.
Link zu SEEDOR* Mit dem Code SOUVERAEN bekommst du 5 % Rabatt.

Wenn du die Wallet fertig eingerichtet und deine Seed-Wörter gesichert hast, bist du bereit, deine ersten Bitcoin zu empfangen.

Testüberweisung

Bevor du zum ersten Mal größere Beträge auf deine Wallet schickst, solltest du überprüfen, ob alles korrekt funktioniert. Sende dazu zuerst einen kleinen Testbetrag an deine Wallet und prüfe, ob er ankommt. Setze anschließend deine Wallet auf Werkseinstellungen zurück und stelle sie mit Hilfe deiner Seed-Phrase wieder her. Wenn beides funktioniert, kannst du deinem Setup vertrauen und auch größere Beträge an deine Wallet senden.

Erweiterte Funktionen und Vererbung

Das bis hierher beschriebene Setup stellt eine solide Basis für Einsteiger dar. Wenn du aufmerksam gelesen und mitgedacht hast, wird dir aber vielleicht aufgefallen sein, dass es noch nicht perfekt ist. Zum einen musst du deine Seed-Phrase sehr sicher verwahren, denn wer deinen Seed findet, kann auf deine Bitcoin zugreifen. Zum anderen ist dieses Setup stark an deine Person gekoppelt: Wenn dir etwas zustößt, wird es für deine Angehörigen ohne weitere Maßnahmen schwierig bis unmöglich, auf deine Bitcoin zuzugreifen. Über beides solltest du dir Gedanken machen.

Eine vergleichsweise unkomplizierte Möglichkeit besteht darin, einen geheimen und sicheren Ort für die Aufbewahrung deiner Seed-Wörter zu wählen und eine Person deines Vertrauens darin einzuweihen. Stelle dir dabei aber auch die Frage, wie sicher der von dir gewählte Ort wirklich ist und ob du der gewählten Person auch in 10 oder 20 Jahren noch mit Sicherheit vertrauen wirst. Wenn dir diese Fragen Kopfschmerzen bereiten, dann solltest du weitere Maßnahmen in Erwägung ziehen.

Fortgeschrittene Seed-Backups

Über das klassische Backup (Seed-Wörter auf Papier oder Stahl) hinaus gibt es ausgefeiltere Methoden. Bei Shamir's Secret Sharing (auch SLIP-39) wird dein Seed in mehrere Teile zerlegt, und du brauchst erst eine bestimmte Mindestzahl davon, um ihn wiederherzustellen, zum Beispiel zwei von drei Teilen. Der Vorteil: Kein einzelnes Backup verrät für sich genommen deinen Seed, und du kannst die Teile an verschiedenen Orten verteilen. Daneben gibt es Drittanbieter-Dienste, die mit einer Art Übersetzungstabelle arbeiten: Du speicherst nicht deine echten Seed-Wörter, sondern verschlüsselte oder umgewandelte Begriffe, die sich nur mit der passenden Tabelle zurückübersetzen lassen. Beides erhöht die Sicherheit, bringt aber auch mehr Komplexität und zusätzliche Fehlerquellen mit sich, und bei Drittanbieter-Lösungen machst du dich wieder ein Stück weit von einem externen Dienst abhängig, was dem Grundgedanken der Eigenverwahrung etwas zuwiderläuft.

Passphrase

Optional kannst du zusätzlich zur Seed-Phrase eine selbst gewählte Passphrase festlegen. Die Passphrase wird gern als „25. Wort" deines Seeds bezeichnet, was technisch zwar nicht ganz korrekt ist, als Illustration aber gut funktioniert. Die Passphrase erzeugt zusammen mit deinen Seed-Wörtern eine eigenständige Wallet. Sie wird nicht zusammen mit der Seed gespeichert, sondern nur in deinem Kopf oder getrennt aufbewahrt. Selbst wenn jemand deine Seed-Wörter findet, kommt er ohne die Passphrase nicht an die Bitcoin. Eine Passphrase erhöht die Sicherheit deines Setups deutlich, gleichzeitig steigt aber auch das Risiko, dich selbst auszusperren. Eine Passphrase solltest du deshalb nur einsetzen, wenn du verstanden hast, was du tust.

Multisig

Bei einer normalen Wallet reicht ein einziger Schlüssel, um deine Bitcoin zu bewegen. Bei einer Multisig-Wallet sind es mehrere, und für eine Transaktion ist eine festgelegte Mindestzahl davon nötig, zum Beispiel zwei von drei Schlüsseln (2-von-3). Die Schlüssel liegen dabei auf verschiedenen Geräten und an verschiedenen Orten. Der Vorteil: Es gibt keinen einzelnen Punkt, an dem alles scheitern kann. Geht ein Schlüssel verloren oder wird gestohlen, sind deine Bitcoin trotzdem sicher und weiter zugänglich. Der Preis dafür ist deutlich mehr Komplexität: mehr Geräte, mehr Backups und ein anspruchsvolleres Setup, bei dem auch mehr schiefgehen kann. Deshalb ist Multisig eher etwas für fortgeschrittene Nutzer oder größere Bestände.

Vererbung und Nachlass

Ein unbequemer, aber sehr wichtiger Punkt ist die Frage, was mit deinen Bitcoin passiert, wenn dir etwas zustößt. Ohne Dokumentation deines Setups und der zentralen Bestandteile sind sie für deine Angehörigen unwiederbringlich verloren. Überleg dir früh einen Plan, zum Beispiel eine sichere Hinterlegung der Seed-Phrase (oder Teilen davon) plus eine verständliche Anleitung für deine Erben. Das muss nicht kompliziert sein, aber es muss existieren.

Das richtige Setup ist individuell

Wie du mit Themen wie Passphrase, Multisig und Vererbung umgehst, hängt von deiner Situation ab – von der Wohnsituation über die Familienverhältnisse bis hin zu Bitcoin-Vermögen und persönlichem Sicherheitsbedürfnis. Deshalb spreche ich hier bewusst keine pauschale Empfehlung aus. Wenn du dein Setup gemeinsam erarbeiten möchtest, findest du in meinem Angebot die passende Begleitung: Zum Eigenverwahrungs-Service →

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